Maria Montessori wird am 31. August 1870 in der italienischen Provinz Ancona als Tochter
einer gutbürgerlichen Familie geboren.
Eigenwillig von Anfang an
Schon früh schlägt sie einen eigenwilligen und
außergewöhnlichen Lebensweg ein: Sie besucht zunächst eine naturwissenschaftlich-technische
Sekundarschule, auf der Mädchen nur in Ausnahmefällen zugelassen sind. Im Anschluss daran
beginnt Montessori als erste Frau Italiens das Studium der Medizin - zu einer Zeit, in
der Frauen dies noch nicht gestattet war.
Mit nur 26 Jahren wird Montessori die erste Ärztin Italiens. Darüberhinaus engagiert sie
sich auch für die sozialen Belange von Frauen und schließt sich der italienischen
Frauenbewegung an.
Von der Medizin zur Pädagogik
Während ihrer Zeit als Assistenzärztin an der Psychiatrischen Universitätsklinik in Rom
arbeitet Montessori mit Kindern mit geistiger Behinderung. Es gelingt ihr, diese Kinder
derart zu fördern, dass sie bei offiziellen Prüfungen gleich gute Ergebnisse wie
nichtbehinderte Kinder erzielen. Montessori erkennt durch diese Lernerfolge, dass die
Probleme der Kinder mit Behinderung nicht ausschließlich medizinischer, sondern auch
häufig pädagogischer Natur sind.
1907: Das erste Kinderhaus
Montessori beschließt ihre Arbeit mit Kindern zu vertiefen und wendet sich mehr und mehr
der Pädagogik zu. 1907 eröffnet sie in einem Elendsviertel von Rom das erste Casa dei
Bambini - das erste Kinderhaus. Hier arbeitet Montessori mit Kindern aus
stark benachteiligten Familien. Sie macht dabei die zentrale Beobachtung, dass bereits
Kleinkinder im Alter von drei Jahren in der Lage sind, sich über einen längeren Zeitraum
zu konzentrieren. Dies gelingt ihnen jedoch nur dann, wenn sie den Gegenstand ihrer
Beschäftigung ihrem Entwicklungsstand entsprechend selbst frei wählen können.
International erfolgreiches Bildungskonzept
Die Erfolge, die Maria Montessori mit den Kindern in ihrem Kinderhaus erzielt, bleiben der
Öffentlichkeit nicht verborgen. Interessierte aus dem In- und Ausland besuchen das Kinderhaus,
um sich selbst einen Eindruck von der reformpädagogischen Arbeit zu verschaffen. Weitere
Kinderhäuser werden gegründet. Montessori gibt ihre Lehrtätigkeit an der Universität und ihre
Praxis als Kinderärztin auf, um sich von nun an ausschließlich der Weiterentwicklung und
Verbreitung ihres pädagogischen Konzeptes zu widmen.
1909 veröffentlicht Montessori ihre Gedanken erstmals in Buchform: Selbsttätige Erziehung
im frühen Kindesalter. Ihr pädagogisches Konzept verbreitet sich infolgedessen rasch in
viele Länder der Erde.
Eine Methode für alle Kinder dieser Erde
Maria Montessori beginnt eine Jahrzehnte andauernde Reise, um die Kinderhäuser zu besuchen,
die in aller Welt nach ihrem Konzept arbeiten. Ihre Methode soll allen Kindern dieser
Erde - unabhängig von sozialen, ethnischen, kulturellen oder religiösen Faktoren - zu Gute
kommen. Die Pädagogik Montessoris ist nicht an Weltanschauungen gebunden und funktioniert
in Entwicklungsländern ebenso wie in Industrienationen.
Lebensabend
1936 muss Montessori wegen des Spanischen Bürgerkrieges fliehen. Während des Zweiten Weltkrieges
hält sie sich in Indien auf, kehrt aber 1946 nach Europa zurück und hält in London internationale
Pädagogik-Kurse ab.
Noch im hohen Alter von fast 80 Jahren reist Maria Montessori - nun in den Niederlanden
lebend - um die ganze Welt, um Vorträge zu halten und weitere Bildungseinrichtungen aufzubauen.
Am 6. Mai 1952 stirbt sie im Alter von 81 Jahren in Nordwijk aan Zee in den Niederlanden.